Essl : Close the gap

 

Close the gap de Karlheinz Essl a été la première pièce écrite pour notre ensemble, avant même que Xasax ne devienne un quatuor. Elle a été créée à Vienne en 1991, et sa formation pour 3 sax ténors illustre parfaitement notre volonté d’explorer des combinaisons instrumentales hors du commun. L’enregistrement figure également sur notre 1° CD.



Karlheinz Essl      (né à Vienne en 1960) : 

Il étudie à la "Musikhochschule " de Vienne auprès de Alfred Uhl (théorie), Heinrich Schneikart (contrebasse) et Friedrich Cerha (composition) . Il obtient un doctorat de musicologie à l'université de Vienne avec une thèse sur "La pensée synthétique d'Anton Webern". Karlheinz Essl a été compositeur en résidence aux Cours d'été pour la musique nouvelle de Darmstadt en 1990.

Le travail avec ordinateur (Composition assistée par ordinateur) et son étude de la "poétique sérielle" sont les influences les plus déterminantes de sa technique de composition.


"Close the gap"         pour 3 saxophones ténors    1990

Écrite pour et créée par XASAX. Des éléments tels que flatterzunge, slaps, trilles ou notes tenues sont combinés à l'aide de l'ordinateur afin de créer une succession de "sonotypes", (évènements sonores), qui seront ensuite soumis à divers modes de transformation. L'intensité de la collision entre diverses structures et sonotypes décroît peu à peu, et se transforme en un mélange incolore de bruits, ou, selon l'expression du compositeur lui-même "une dernière  et haletante tentative de s'exprimer, un essai de fuite ultime et désespéré". Cette pièce a été écrite après la 1° Guerre du Golfe. 

MW/ K. Essl

Christian Scheib charakterisiert in einer Studie über den Komponisten Karlheinz Essl dessen Musik wie folgt: "Essl schreibt eine Musik der stetigen Veränderung. Niemals steuert sie fixierte Zustände an, die an über längere Zeitstrecken gleichbleibenden Koordinaten festzumachen wären. Vom ersten Ton an befinden sie die Klangstrukturen in einem Strudel, einem spiralförmigen Sog, der sie unablässig verändert, um sie schließlich - wieder in einzelne Strukturelemente zerlegt und vom Erleben geprägt - aus seiner Bannkraft zu entlassen."


Essl, geboren 1960 in Wien, studierte an der Wiener Musikhochschule Tonsatz bei Alfred Uhl, Kontrabaß bei Heinrich Schneikart und Komposition bei Friedrich Cerha. Sein Studium der Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien schloß er 1989 mit einer Dissertation über "Das Synthese-Denken bei Anton Webern" ab.

Essl begann als Kontrabassist in verschiedenen Kammermusik und Jazzensembles. Parallel dazu setzte er sich mit mittelalterlicher Musik und Fragen der Aufführungspraxis auseinander. Besonderes Augenmerk gilt der Untersuchung über die Fomalisierbarkeit musikalischer Prozesse (Computer Aided Composition), die er theoretisch wie kompositorisch aufarbeitete. Schwerpunktmäßig beschäftigte er sich mit dem seriellen Denken (u. a. im Band 66 der Musik-Konzepte über Gottfried Michael Koenig). Seit 1990 ist er "Composer in Residence" bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik.

Prägend für Essl Komponieren ist die Arbeit mit dem Computer und die Beschäftigung mit der seriellen Poetik. Beide Arbeitsbereiche basieren auf einer sezierenden Denkweise, welche das Ereignis - den Klang - in seine Bestandteile zu zerlegen sucht. So faszinierte es Essl in seinem Hörstück Zungenreden (1990), daß durch die verschiedene Reihenfolge identischer Konsonanten unterschiedliche Klanggestalten entstehen. Dieses Prinzip beherrscht auch die sog. "Klangtypen-Polyphonie" von Close the Gap (1990). Elemente wie Zungen-Pizzikato, Flatterzunge, Triller oder Liegeklänge werden mittels eines Computerprogrammes zu einer Abfolge von Klangtypen kombiniert, die verschiedenartige Prozesse - mit Alban Berg gesprochen - "erleiden". Die Ausdehnung der anfangs nur rudimentären Klangtypen wird immer größer, bis sich die wahrnehmbaren Gestalten miteinander verknäueln und vielfältige Beziehungen eingehen.

Das auf den ersten Blick strenge Verfahren wird indes gebrochen, indem Essl in den anfallenden Zäsuren fremdes Material einschiebt, dessen homophoner Gleichschritt im Kontrast zu der Klangtypen-Polyphonie steht. Die anfänglich großen Gegensätze versuchen sich aneinander anzugleichen, doch kehren sich einzig die Verhältnisse um: am Ende wirkt die auslaufende Klangtypen-Polyphonie wie eingeschobenes Fremdmaterial.

Essl: "Diesem Aufeinanderprall völlig unterschiedlicher Strukturen galt mein besonderes Augenmerk. Das hat nicht nur einen rein kompositorischen Grund. Das, was sich in den letzten Monaten auf der Weltbühne abgespielt hat, läßt die Klüfte zwischen nicht kompatiblen Systemen und den daraus resultierenden Spannungen schmerzlich erlebbar werden. Angefangen hat es mit dem neuen Verhältnis von Ost und West, das weit mehr Probleme aufwirft, als wir es in der ersten Euphorie wahrhaben wollten. In der letzten Zeit ist aber der Nord-Süd-Konflikt virulent geworden. Was sich momentan am Golf abspielt erfüllt mich mit größter Sorge, um nicht zu sagen panischer Angst. Und ich denke, daß wir es uns einfach nicht erlauben dürfen, nichts dazu zu sagen. Muß es nicht darum gehen, die Spalten zu schließen, die Ungerechtigkeiten auszumerzen, selbst wenn es auf unsere eigenen Kosten geht? Ist das nicht die einzige Möglichkeit, daß wir alle überleben? In meinem Stück scheitert dieses Bemühen: die gegenseitigen Annäherungsversuche der Strukturen nivellieren sich gegenseitig und schlagen um ins diffuse Grau. Eine letzte, röchelnde Gebärde, ein letzter verzweifelter Ausbruchsversuch..." (Januar 1991)


© by Christoph Becher (1991)